Die kleinen und großen Herausforderungen als Neubürgerin in Braunschweig

Das hätte ich noch vor Wochen nicht geglaubt, dass ich diesen Satz ausspreche :   Ich bin froh, wieder in Braunschweig zu sein.

Meine aufregende Reise begann schon am Sonntag früh. Ich hatte ein Bahnticket gebucht, um den Zug 11.48 h über Hagen nach Werdohl zu nehmen. Dort wohn ein guter Freund und gleichzeitig unser privater Steuerberater. Den brauche ich dringend, da wir immer noch an der Auseinandersetzungsbilanz mit unseren Firmenverkäufern arbeiten. Wie so oft, verfolgt jede Seite seine eigenen Ziele. Die Verkäufer stellen noch Forderungen und wir verfolgen natürlich unsere Interessen. Im Laufe der Zeit sind wir auf einige „Baustellen“ gestoßen, die aus unserer Sicht den Verkäufern anzulasten sind. Und um das zu besprechen, ist es gut, einen Freund wie Peter zu haben, mit dem man vertraut und offen sprechen kann.

Ich erreichte den Bahnhof und sah auf einen Blick, dass MEIN Zug gar nicht auf dem Zugfahrplan zu finden war. Also auf zur Information. Wie erwartet, der Zug ist aufgrund des Unwetters ausgefallen. Aber, ich hatte Glück, der Zug, der zwei Stunden früher hätte fahren sollen, hatte genau 120 Minuten Verspätung. Der hat auf mich gewartet. Ich im Laufschreit zu Gleis 6, in den Zug und dann fuhr er auch schon los.

Zu meinem Glück gab es einen Speisewagen, ich bin 3-fach geimpft und konnte ein Frühstück bestellen und genießen.

Es gab zwar weitere Verzögerungen, aber die betrafen nicht meine Planung. In Hamm hätte der Zug geteilt werden sollen, aber das wurde dann komplett abgesagt. Der Zug endete in Hamm und ich musste mir eine Alternative suchen. Hat auch gut funktionert, aber dennoch habe ich mich dann in Hagen von Peter abholen lassen. Und dann ging es auf nach Werdohl.https://www.werdohl.de/

So hatten wir genügend Zeit alles bei einer Flasche Wein zu besprechen.

Am nächsten Morgen hat der gute Peter mich nach Bonn gefahren. Dort wollte ich noch vor meinem Beratungstermin bei meinem Rechtsanwalt die mir gut bekannten Geschäfte aufsuchen und einfach nur shoppen. Mein Koffer war groß genug und nicht gefüllt. Aber da war ich auch schnell durch. Der Sturm fegte so stark durch die Straßen, das es keine Freude bereitete. Karstadt ist komplett geschlossen. Da eröffnet bald ein Aldi-Markt mit DM. Die ehemalige Zara-Filiale wird umgebaut und dort zieht dann Appelrath ein.

Das Gespräch mit meinem Anwalt verlief genau so wie geplant. Wir verstehen uns ausgesprochen gut, sprechen eine Sprache und ich vertraue ihm – ohne Wenn und Aber. Wenn mein Anwalt sagt, dass ein Verfahren keine Chance hat, glaube ich ihm. Ich weiß aber, dass er sehr engagiert arbeitet und sich sehr um ein gutes Ergebnis für mich bemüht.

Nach dem erfolgreichen Gespräch bin ich zm Bahnhof. „Alles kein Problem“ hieß es, „die Züge fahren wieder“.

Also Ticket über Köln und Hannover nach Braunschweig gekauft. Die Fahrt nach Köln verlief ohne Probleme. In Köln kam es dann schon zu Verzögerungen von 20 Minuten. Damit war klar, dass mein Verbindungszug in Hannover nicht zu erreichen war.

Und dann kam die Aussage, die ich erst nicht glauben wollte.

„Wichtige Information an alle Fahrgäste des ICE 556 nach Berlin. Aufgrund des aktuellen Unwetters fahren wir nur bis Hamm. Dort endet der Zug. Es stehen Ersatzbusse bereit, die Sie nach Hannover bringen. Von dort können Sie die Fahrt mit der Deutschen Bahn fortsetzen. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Da stand ich nun am Hauptbahnhof Köln.https://www.bahnhof.de/bahnhof-de/Koeln_Hbf.html?hl=K%C3%B6ln

Ich habe dann meinen Mann angerufen. Der reagierte sofort „Du nimmst jetzt Deinen Koffer, suchst Dir ein schickes Hotel, übernachtest in Köln und kommst morgen früh nach Hause.“

Gesagt – getan. In direkter Nähe des Bahnhofs befindet sich das wunderschöne Excelsior-Hotel Ernst.  https://www.excelsiorhotelernst.com/

Man gönnt sich ja sonst nichts !!

Da steht noch der livrierte Mitarbeiter vor der Tür, übernimmt den Koffer, der dann über andere Wege ins Zimmer gelangt. Am Empfang eine ausgesprochen professionelle und freundliche Ansprache. Man händigt den Personalausweis aus und alle Daten werden in das Anmeldeformular übertragen, nur noch unterzeichnen – so wünscht man sich das Ankommen in einem 5-Sterne-Hotel.

Das Zimmer – wie erwartet – groß, komfortabel und einladend.

Schade nur, dass ich unter den aktuellen Corona-Bedingungen, nicht die Annehmlichkeiten eines Hotels dieser Klasse in Anspruch nehmen konnte. Aber das hole ich noch nach.

Am nächsten Morgen bin ich dann schon so früh wie möglich zum Bahnhof gegangen und war dann doch froh, dass ich schon 10.15 h in Braunschweig von meinem Mann empfangen wurde. Es ging dann sofort ins Büro, die Post gesichtet, dann einen Arbeitsvertrag vorbereitet, da ich für 14.00 h eine neue Mitarbeiterin am Standort Salzgitter verpflichten wollte. Das hat dann auch alles gut funktioniert. Nach dem Termin bin ich aber auf dem schnellsten Weg nach Hause gefahren. Diesen Tag habe ich dann noch vor 21.00 h beendet – mir sind einfach die Augen zugefallen.

 

 

 

 

 

Jetzt geht es weiter  ——

 

Auf der in Teil 3 geschilderten Bootstour haben wir uns nicht erholt, sondern nur geärgert und aufgeregt.

Daher war ich gar nicht so unglücklich, dass wir wieder in Braunschweig waren. Um uns einen nervenschonenden Start zu gewährleisten wurde der Freitag zu einem freien Tag erklärt. Wir mussten eh noch die bestellten Leuchten im Möbelhaus abholen und wollten das mit der Suche nach weiteren notwendigen Möbeln verbinden. Es musste nur der Abholschein aus dem Büro geholt werden. Eigentlich keine große Angelegenheit – ins Büro und eben den Lieferschein holen. Da gibt es nichts zum Nachdenken. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass eine Lawine den Berg runterrollt, die wir nicht mehr aufhalten konnten. Heute sage ich – war auch besser so.

Wir parkten auf unserem Firmengrundstück. „Springst Du grade rein und holst den Lieferschein?“ Mein Mann hatte schon gar keine Lust die eigene Firma zu betreten. Das ist grundsätzlich ein sehr schlechtes Zeichen. Also bin ich rein. Die erste Mitarbeiterin, der ich begegnete war Dagmar, die Tourenplanerin. Irgendwie hatte ich das Gefühl, sie wollte sich hinter der obligatorischen Büropflanze, die mitten im Raum stand, verstecken. Sie wirkte auch sehr verlegen. Und genau das hat mich überrascht, denn Dagmar war immer gut für eine flotten Spruch.

Aber ich bin die Chefin, dachte ich, und habe sie brutal angesprochen und Fragen gestellt. Sie war recht kurz angebunden, so an der Grenze zur Unfreundlichkeit. Das mache ich heute aber nicht mehr zu meinem Problem, war mein Gedanke. Also nach oben ins Obergeschoss und den Lieferschein abholen. Auf der Treppe erblickte mich die Pflegedienstleiterin, die sich sofort abwandte, ihr Arbeitszimmer betrat und die Tür schloss. Gut, dachte ich, da gibt es Ärger oder ein Problem. Aber dem nehme ich mich heute nicht mehr an. Selbst unser kaufmännischer Mitarbeiter, der bisher immer sehr hilfreich an unserer Seite gekämpft hat, schien irgendwie verlegen zu sein.

Als ich wieder im Auto saß, entwich mir ein tiefer Seufzer. „Du glaubst nicht, welche schlechte Stimmung da drin herrscht“ wandte ich mich an meinen Mann. „Warum hast Du nicht gefragt, was los ist“, fragte er mich. „Nee, wenn ich das heute hinterfrage, kommen wir hier nicht mehr raus. Da ist eine so miese Stimmung, die greift Dich förmlich an. Und dafür habe ich heute keine Energie. Das reicht auch morgen.“

Der nächste Arbeitstag begann dann mit dem Satz, den jeder Arbeitgeber liebt:  „Frau Heyer, haben Sie mal einen Moment Zeit für mich.“ Okay, es geht los, dachte ich so bei mir. Unsere Pflegedienstleiterin informierte mich über die am Vortag eingegangene Kündigung der Mitarbeiterin Dagmar. Ein konkreter Grund wurde nicht angegeben. So ganz allgemein habe sie sich geäußert, dass sie mit den Veränderungen nicht klar komme. Da wir bis zu dem Tag lediglich Möbel umgeräumt und neues Geschirr gekauft hatten, fehlte uns ein echter Grund.

„Wollen Sie nochmals mit ihr sprechen“ wandte sich die Pflegedienstleiterin an mich. „Warum?“ war meine Antwort. Dagmar hat ganz bewußt unsere einwöchige Abwesenheit genutzt, um die Kündigung nicht nur auszusprechen, sondern auch schriftlich abzugeben. Was soll man dann noch sprechen?

Das Problem war aber größer, als zunächst angenommen. Dagmar war wirklich eine begnadete Tourenplanerin und weit und breit war keine weitere in Sicht. Ich hoffte damals noch, dass die Mitarbeiterin an einem ordentlichen Abschluss ihrer Tätigkeit interessiert ist und die verbleibende Kündigungsfrist nutzt, um eine Kollegin einzuarbeiten. So weit der Gedanke. Da muss selbst ich heute lachen. So naiv bin ich eigentlich nicht.

Nur wenige Tage später fand die alle 2 Jahre vorgeschriebene Erste-Hilfe-Unterweisung der Mitarbeiter statt. Wir hatten einen Referenten gebucht, der für mehrere hundert Euro eine Online-Schulung präsentierte. Die Teilnehmerzahl war begrenzt. Daher war ich schon überrascht, das die bald ehemalige Mitarbeiterin in der ersten Schulungsrunde eingeplant war. Die lapidare Antwort der dazu befragten PDL-Vertreterin war „Das ist doch egal. Müssen doch alle in die Schulung.“ Das sah ich etwas anders, aber okay, erst mal nichts erwidern war mein Gedanke.

Und noch an diesem Tag hatte ich meine erste Unterrichtsstunde zum Thema „Verhalten einer Fachkraft nach der Kündigung.“

Die Schulung endete um genau 15.30 h. Um genau 16.20 h kommt per Mail die Krankmeldung der „guten Dagmar“. Und wen überraschte es – natürlich bis zum Ende der Kündigungsfrist. Keine Empathie für Patienten, die sich auf die gesicherte Betreuung verlassen, keine Empathie für Kolleginnen, die nun diese Patienten mit betreuen müssen. Keine Empathie für nichts. Übrigens eine Erfahrung, die wir noch öfter machen durften. Aber es war sicherlich für die neue Anstellung von Vorteil, dass sie den frischen und von uns bezahlten Erste-Hilfe-Kurs nachweisen konnte.

Mich macht so ein Verhalten einfach nur wütend. Ich kann sehr gut damit umgehen, wenn jemand meine Entscheidung in Frage stellt, wir darüber diskutieren und ich eine Sichtweise erklärt bekomme, die ich möglicherweise nicht bedacht habe. Ich weiß noch, dass ich mich sehr hilflos gefühlt habe. Natürlich stand der unausgesprochene Satz im Raume, dass wir für die Kündigung verantwortlich waren.

Eine Rücksprache mit unserem kaufmännischen Mitarbeiter beruhigte uns auf gar keinen Fall. Alexej informierte uns, dass  es eine große Unruhe im Team gäbe und möglicherweise drei weitere Kündigungen anständen. Na, super – dachte ich nur bei mir. Wie sollen wir das nur auffangen? Um vorbereitet zu sein, habe ich mich in das Selbst-Studium der Firmensoftware Medifox gestürzt. Mir war klar, ich muss mein Fachwissen aufbauen, ausbauen und mich unabhängig machen. Also habe ich mir von Alexej einen eigenen Zugang freischalten lassen. Und dann ging es los.

Heute – im Rückblick – muss ich schmunzeln. Ich weiß nicht, wieviele Stunden ich einfach nur vor dem Bildschirm saß und habe Informationen aufgenommen, ohne sie bewerten zu können. Damals waren Begriffe wie Anwendungen nach SGB V und Pflege nach SGB XI oder Bewertung nach § 37.3 komplett fremd. Ich saß ganz ruhig vor meinem PC, da schoß unsere Pflegedienstleiterin in mein Büro. „Kann es sein, dass Sie in Medifox sind?“ Ich schaute nur auf. „Ja, das bin ich.“  „Was machen Sie da?“ Bei der Frage musste ich dann doch lachen. „Ich glaube, ich bin hier noch die Chefin, die Inhaberin und auch die Geschäftsführerin. Also habe ich wohl jedes Recht, in meiner Firma die von mir eingesetzte Software anzuschauen.“   Ob Sie es glauben oder nicht, eine Antwort habe ich nicht erhalten.

Die Damen, die frühmorgens jeweils eine Frühtour fuhren, setzten sich dann immer für mehr als eine Stunde hinter verschlossenen Türen zusammen. Das nannte man „Team-Besprechung“. Die Tür in den Flur und die Tür in den Mitarbeiterraum war verschlossen und es hing ein Schild an der Tür auf dem der Hinweis zu lesen war, dass das Eintreten untersagt war. Ich habe mich wirklich gefragt, ob das auch für mich, die Inhaberin, gilt. Heute kann ich darüber aber schmunzeln.

In diesem relativ großen Raum befanden sich Arbeitsplätze, die in einem U angeordnet waren. In der Mitte die unsägliche Büropflanze. Da in dieser Runde die Touren geplant, die Behandlungs- und Betreuungsabläufe geplant und festgelegt wurden, nannten wir diesen Arbeitsbereich in den Anfängen „den Zauber-Zirkel“.  Damit haben wir damals auch unseren Respekt vor der Planungs-Zauberei gezeigt.

Nach den Monaten der Enttäuschungen und der Respektlosigkeit nahm mein Mann eine Umbenennung vor. Jetzt war es   „DER ZICKEN-ZIRKEL“.

Mutig, aber wahr. Das zeigte sich auch an einem weiteren Punkt. Als Geschäftsführerin habe ich die Damen informiert, dass ich ab sofort mindestens einmal pro Woche an dem Treffen teilnehmen werde. Die Frage nach dem WARUM, hat man sich verkniffen. Der nächste Donnerstag war dann der Tag meiner Teilnahme. Es wurden Informationen zu den Patienten ausgetauscht, die jedoch nicht selbst, sondern von den fleißigen Pflege-Assistentinnen eingebracht wurden. Woran mag es wohl gelegen haben? Die Runde hatte nach genau 23 Minuten nichts mehr zu besprechen. Lag es an meiner Teilnahme? Bestimmt nicht. Es gab einfach nicht so viel zu berichten, habe ich mir gesagt.  🙂

 

Seien Sie gewiss – es geht genau so lebhaft  weiter. Manchmal jedoch bis an die persönliche Belastungsgrenze. Sie werden es erfahren.

 

Cornelia Heyer

Ambulante Krankenpflege 24 Stunden GmbH

38114 Braunschweig

 

 

 

 

Ja, hier sollte nun Teil 3 veröffentlicht werden.

Geht aber nicht !

Ich muss aktuell juristisch klären lassen, was ich wie formulieren darf. Einfach die Wahrheit veröffentlichen ?   Geht leider nicht !

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Der Kauf eines Pflegedienstes in Corona-Zeiten läßt sich nicht „mal eben so“ abwickeln.

Nach weiteren sechs oder auch acht Wochen (jedoch gefühlten sechs oder acht Monaten) musste einfach eine Veränderung her. Es war mir schon bewußt, dass überhaupt kein Denken an einen längeren Auslandsaufenthalt wie in den vergangenen Jahren erlaubt war. In Erinnerung an eine einwöchige Hausboot-Fahrt durch die Grachten der Niederlande habe ich einen Verleiher in Deutschland gesucht.

Fündig wurde ich in Brandenburg. Ein niederländischer Verleiher bot eine Motor-Yacht mit einer Länger von ca. 15 m an. Die Fotos waren etwas unscharf, aber egal. Ich sah uns schon an Deck unserer Yacht, natürlich in einer ansprechenden Marina, ein Glas Wein in der Hand und vor uns leckere Tapas.

Gesehen – besprochen – gebucht.

Man muss wissen, das wir nie, noch wirklich niemals, zu einer Reise mit dem PKW pünktlich aufgebrochen sind. Bei uns kommt immer irgendetwas dazwischen. Und natürlich erst recht, wenn man sich vorher noch im gerade übernommenen ambulanten Pflegedienst aufhält. Ein Start um 12.00 h ist dann einfach komplett unrealistisch – zumindest bei uns. Es war dann auch 16.00 h als wir endlich im Auto saßen.

Vorfreude hatte ich schon keine mehr. Die Packerei von Bettwäsche, Handtüchern, Kosmetik etc. hat mich schon sehr angestrengt. Dann noch einige Decken mit ins Auto gepackt. Man weiß ja nie.  Wir hatten gerade 20 km hinter uns gebracht, da rief auch schon der Boots-Verleiher an und fragte, wann wir ankommen. „Also so genau kann ich das noch gar nicht sagen“ war meine wage Antwort.“  „Haben Sie denn nicht gelesen, dass wir die Übergabe für 15 Uhr geplant hatten“ war seine leicht gereizte Antwort.

Okay, das hatte ich wirklich übersehen. Aber was regt der sich auf, war mein Gedanke. Es ist doch unser Schaden, wenn wir weniger Zeit an Bord verbringen.

„Also eine Einweisung schaffen wir heute nicht mehr. Das müssen wir dann morgen nachholen. Sie können an Bord gehen und sich einrichten. Ich komme dann morgen früh vorbei und bringe Brötchen mit. Ihr Boot hat den Liegeplatz 114.“ Die Lösung fanden wir gut. Jetzt noch eine Einweisung hätte uns auch überfordert. Also noch kurz vor der Marina bei Rewe eingekauft, denn eines war klar: Unseren Alkohol-Vorrat mussten wir auf jeden Fall noch aufstocken.

Diese Marina war einfach nur ein Albtraum

Schlußendlich leitete unser Navigationssystem uns dann gegen 20.15 h zu der angegebenen Adresse. Also eine klassische Marina sieht definitiv anders aus. Dies war keine Marina, sondern eher ein Schrottplatz für Schiffe. Wir parkten auf dem unbefestigten Parkplatz, es gab so gut wie keine Außenbeleuchtung, es war dunkel und kalt. Ich wäre sogar am liebsten sofort wieder in unser Auto gestiegen und nach Hause gefahren.

Mein Mann ist in solchen Situationen immer die Person, der in allem das Positive sucht, mich aufmuntert und tröstet.

Also Kopf hoch, Taschen in die Hand und ab durch den Schlamm, über das schiefe Brett zum Anleger und zum Schiff. Verschlossen war es nicht. Nach nur einem Blick war mir klar, das musste auch nicht abgeschlossen werden, hätte eh niemand gestohlen.  Die Fotos, die zu diesem Schiff veröffentlicht waren, mussten aus dem Baujahr, irgendwann um 2000, aufgenommen worden sein.

„Hier setze ich mich nicht hin“ war meine erste Aussage nach nur einem kurzen Blick auf die ehmals beige Ledersitzgruppe. Es roch muffig, abgestanden, es war kalt und man konnte den Schmutz förmlich riechen. Okay, der ein oder andere Leser sagt jetzt bestimmt, ich hätte mich da reingesteigert. Mag zum Teil stimmen. Aber man muss auch bedenken, dass ich nach alle den stressigen Monaten gerade mal acht Erholungstage mit meinem Mann auf einer Motor-Yacht verbringen wollte. Und dann so ein Kahn. Ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein.

Wir mussten dann doch noch unseren Vermieter anrufen, denn die Heizung ließ sich einfach nicht in Gang setzen. In der Zwischenzeit habe ich die mitgebrachten Decken, an die mein Mann vorsorglich gedacht hat, auf die Sitzgelegenheiten verteilt. Ich blieb dabei: „Auf diese Sofas setze ich mich nicht.“

Die Betten habe ich auch sofort mit unserer Bettwäsche neu bezogen, egal ob für eine Nacht oder länger. Der Techniker, der dann bei uns auflaufen durfte, hatte es auch nicht einfach. Meine Enttäuschung konnte ich einfach nicht verbergen. Ich glaube, der hatte wirklich Mitleid mit uns. Dem war auch schnell klar, dass wir nicht zu dem Klientel zählen, dem man so ein Boot „unterjubeln“ kann.

 

Wir machen das beste aus der Situation

Das war das Motto des folgenden Tages. Einfach abbrechen und nach Hause fahren, nein, das wollten wir dann auch nicht. Nach der Kurzeinweisung am folgenden Morgen sind wir dann gegen Mittag gestartet. Unsere, speziell meine, Laune war im Keller. Das lag sicher auch an den zu hohen Erwartungen. Aber wer kennt das nicht. Man erträumt sich eine „Traumreise“ und die entpuppt sich dann nicht selten als „Albtraumreise“.

Hinzu kam, dass es ab Reisestart nur geregnet hat, es gab nicht eine einzige Unterbrechung. Zudem sahen wir links und rechts nur grüne Gräser und mal Bäume. Ich vermißte die Durchfahrt durch nett anzuschauende Dörfer, so wie ich das aus Niederlande kannte.

Wir haben dann zweimal in jeweils einer kleinen Marina angelegt und haben in direkter Nähe ein Restaurant aufgesucht. Kochen an Bord war definitiv nicht möglich, denn bei Licht fand sich Schimmel in jedem an Bord befindlichem Topf. Da vergeht einem wirklich der Appetit.

Lag es mir? Lag es am Regen? Lag es an den Speisekarten? Lag es an den unmotivierten Service-Kräften? In keinem der aufgesuchten Restaurants haben wir uns willkommen und gut gefühlt.

Nach drei Tagen habe ich meinen Mut zusammengenommen und mein Mann gefragt: „Wollen wir das wirklich bis zum Ende durchziehen?“ Er reagierte so schnell, dass mir klar war, dass auch er sich schon diese Frage gestellt hatte.

„Sofort oder warten wir bis morgen?“  Ich musste lachen. So kenne und liebe ich meinen Mann. Aber er hat auch Recht damit. Warum quälen wir uns mit diesem elendigen Schiff, haben keine Freude an der Schiffstour und könnten stattdessen einige ruhige Tage zu Hause verbringen.

Gesagt, getan. Wir haben beigedreht und schipperten wieder Richtung Brandenburg. Natürlich immer noch im Regen.

Dann zog ein deutlich kleineres Boot an unsere Seite und ein freundlicher Herr an Bord winkte mir zu. Ich grüßte freundlich zurück. Der Herr drehte sich um und zeigte auf die Beschriftung auf der Rückseite seiner Jacke.  „Wasserschutzpolizei“ konnte ich lesen. Mit einem Wink zur Spundwand vor uns rief er uns zu „Legen Sie dort an. Wir kommen an Bord.“ Dem Befehl sind wir selbstverständlich sofort nachgekommen.

Die Herren kamen an Bord. „Und, was haben wir falsch gemacht?“ begrüßte ich die Beamten. „Das zeigen wir Ihnen gleich“ war die erste sparsame Antwort. „Zeigen Sie bitte zunächst die Bord-Papiere.“ Die uns vom Vermieter überlassene Mappe haben wir vorgelegt und gewartet.

DAS ERGEBNIS :

Unser Schiff war für den gewerblichen Gebrauch, also die Vermietung, gar nicht mehr zugelassen. die notwendige Genehmigung war vor zwei Jahren abgelaufen. Die letzte Prüfung der Gasleitungen fand in 2013 statt – ist aber jährlich erforderlich. Das die Feuerlöscher vor 15 Monaten hätten ausgetauscht werden müssen, war dann nur noch eine Kleinigkeit.

Es war nur dem guten Auftreten meines Mannes zu verdanken, dass das Schiff nicht an Ort und Stelle stillgelegt wurde. Wir erhielten die Erlaubnis, die Reise bis in den Hafen Brandenburg fortzusetzen, jedoch auf dem kürzesten Weg und uns dann nochmals telefonisch bei den Beamten abzumelden. Dieses Entgegenkommen war sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass ich den Tränen nahe an Bord saß.

Also auf nach Brandenburg, unser Gepäck verladen und das alles immer noch im Regen und dann auf nach Hause.

Dort kamen wir gegen 21 h an, wir waren müde, wir waren hungrid und es war uns immer noch kalt. Das änderte sich dann leider auch nicht.

 

DER GRUND :

Der in der Zwischenzeit tätige Maler hatte die von uns vorgegebene Farbe im Flur vertauscht, seine Maler-Utensilien waren in der gesamten Wohnung verteilt und die Heizung war ausgefallen.

Was soll ich sagen:  Mehr geht nicht oder weniger geht nicht !?

Dennoch haben wir den Abend mit einem guten Wein abgeschlossen.

Gut, das wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten, was uns in den Folgetagen in unserer Firma erwartete.

Fortsetzung folgt……

 

Cornelia Heyer

Ambulante Krankenpflege 24 Stunden GmbH

38114 Braunschweig

Warum trifft man in Corona-Zeiten die Entscheidung einen ambulanten Pflegedienst zu kaufen ?

TEIL 1

 

Auch in Corona-Zeiten wird geplant und bei uns ist genau in dieser Zeit die Entscheidung gefallen, einen ambulanten Pflegedienst zu kaufen.

Ich persönlich habe mich viele Jahre sozial engagiert und Senioren im Rheinland betreut.

Unweigerlich kommt man in Kontakt zu ambulanten Pflegediensten.

Dabei bin ich immer auf sehr empathische Menschen gestoßen, die aus persönlicher Überzeugung und ganz bewusst einen pflegerischen Beruf ergriffen haben.

Es wurde nur selten gefragt „Was bekomme ich für meine Leistung“, es wurde einfach geholfen und unterstützt.

 

Aber genau diese Einstellung wird einigen Pflegedienstbetreibern auch zum Verhängnis.

Der Geschäftsführer eines Pflegedienstes muss auch kaufmännisch und wirtschaftlich denken und planen.

 

Diesen Rückschluss kann ich aufstellen, da ich als Schuldner- und Insolvenzberaterin mit Abschluss zur

Zwangsverwalterin auch zur Sanierung von Pflegediensten eingesetzt werden musste.

https://www.fortbildung-schuldnerberatung-nrw.de/

 

Diese Erfahrungen waren dann auch die Grundlage für die Entscheidung einen ambulanten Pflegedienst zu übernehmen bzw. zu kaufen.

Soweit der erste Gedanke.

 

Die Leitung eines ambulanten Pflegedienstes muss auch Kaufmann/Kauffrau sein

Die Umsetzung hat aus heutiger Sicht erstaunlich wenig Zeit in Anspruch genommen. Ein Argument für die schnelle Umsetzung war sicherlich unsere standortfreie Suche in Deutschland. Wir haben grundsätzlich keine Region ausgeschlossen.

Im Ergebnis haben sich auf unsere aktiven Werbemaßnahmen gesamt sechs Pflegedienste zum Kauf angeboten.

Wir mussten dann sehr schnell lernen, dass inhabergeführte Pflegedienste sehr diskret verhandeln und verkaufen möchten. Wir kamen uns schon vor wie in einem konspiritativen Zirkel. Alles sehr geheimnisvoll, alles nach mehrseitiger schriftlicher Schweige-Erklärung usw. usw.

 

Ein Betreiber-Paar aus dem Saarland hat sogar als Treffpunkt Wernigerode im Harz vorgeschlagen. Die wollten uns auf gar keinen Fall im Umkreis ihres Firmensitzes treffen.

Auch unsere Verkäufer in Braunschweig waren sehr vorsichtig. Daher fand das erste Treffen an einem Samstag Abend im Februar 2020 im Steigenberger Hotel in Braunschweig statt.

Dieses war dann unser letztes Treffen ohne Maske. Nur wenige Tage später wurde auf allen TV-Kanälen über Corona, die möglichen Folgen, die Ansteckungsgefahren und die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen berichtet.

Der Verkäufer unseres ambulanten Pflegedienstes hat uns schon vor diesem Treffen bestens mit Zahlenmaterial versorgt. Egal, welche Zahlen benötigt wurden, die kamen schon nach wenigen Minuten per Mail. Alles macht einen sehr aufgeräumten und vorbereiteten Eindruck.

 

Jedoch wurden dann folgende Bedingungen aufgestellt :

– Sie kaufen meine Firma.

– Sie bezahlen meine Firma.

– Sie werden vorab nicht eine Mitarbeiterin kennenlernen oder sprechen.

– Die Übergabe muss noch zum 01. Juli 2020 erfolgen.

Da erinnere ich gerade noch an die erste Korrespondenz. Unsere Verkäufer hatten auf unsere Anfrage geantwortet und den Wunsch-Verkaufszeitpunkt mit Sommer 2021 angegeben. Daher hatten wir auch zunächst die weiteren Anbieter kontaktiert. Wir waren an einem Kauf zum Jahresende 2020 interessiert. Dies war aus unserer damaligen Sicht ein ausreichender Zeitrahmen, um einen Kauf incl. Firmenbewertung, Verhandlungen, Verträge und Übernahme zu gestalten. Im persönlichen Gespräch wurde dann zu unserer großen Überraschung der 01.07.2020 als Wunsch-Abgabetermin angegeben.

 

Aber aufgrund der bereits erfolgten Gespräche mit weiteren Pflegedienst-Anbietern konnten uns diese Auflagen auch nicht mehr aus der Ruhe bringen.  „Sind halt etwas seltsam, die Pflegedienst-Betreiber der ersten Stunde“ war das Ergebnis unserer Überlegungen. Damit meine ich die Pflegedienste, die mit der Gründung der Pflegeversicherung in 1995 gegründet wurden. Die erste Pflegeeinrichtung wurde bereits 1617 von der heutigen Caritas-Organisation gegründet.

https://www.annakrolicki.de/krankenpflege/krankenpflege-jobs/ambulante-pflegedienste-etwas-geschichte/

 

Wohnhaft in 53639 Königswinter und Kauf eines ambulanten Pflegedienstes in 38114 Braunschweig heißt auch UMZUG !

Wir haben dann nach dem 3-Stunden-Gespräch am Abend bereits am nächsten Morgen die Heimreise über 400 km nach Königswinter angetreten, denn eine Einladung zu einem Folgetermin wurde nicht ausgesprochen.

Nach nur einer Woche haben wir die Kaufzusage erteilt. Natürlich haben wir nochmals versucht, den Abgebenden zu einem Mitarbeitergespräch zu bewegen. Leider ohne Chance. Obwohl wir entsprechendes Eigenkapital nachweisen konnten, blieben die Verkäufer bei ihrer Auflage des „Blindkaufs“.

Daher fiel unser zweiter Besuch auch sehr kurz aus. Im April 2020 erhielten wir eine 1-stündige Audienz beim Steuerberater. Aus Gründen, die sich uns nicht erschlossen, verhielt man sich uns gegenüber sehr verhalten und war auch nicht um uns als mögliche neue Mandanten bemüht.

Daher konnten wir die terminierten Besichtigungen von Mietobjekten starten. Für uns war klar, wir mussten mindestens vier Wochen vor der geplanten Übernahme umgezogen sein.

Aus Königswinter heraus hatte ich viele viele Mietangebote auf den klassischen Seiten, wie immoscout, immwelt etc. geprüft, zunächst alle verworfen, dann nochmals gesichtet und schließlich gesamt sechs Besichtigungstermine in Braunschweig vereinbart.

Mein Mann verweigerte schon den Zutritt sowohl beim ersten als auch beim zweiten Objekt. Somit war klar, die Suche wird nicht so einfach wie ich mir das vorgestellt hatte.

Abends übernahm dann mein Mann die Suche. Im ersten Schritt hob er das von mir vorgegebene Mietpreis-Limit auf.  Dann eröffnete er mir, dass er auf gar keinen Fall einen Bewohner über uns dulden würde. Der bisherige Ärger aus Königswinter reiche ihm. Damit wurde die gesamte Suche sehr viel einfacher, denn es gab zu dem Zeitpunkt nur zwei Penthäuser in Braunschweig, und die wurden von der Nibelungen-Wohnbau angeboten.

Nachmittags hatten wir dann nochmals Audienz bei unseren Firmenverkäufern, d. h. uns wurde ein 10-minütiger Rundgang durchs Büro in 38114 Braunschweig gestattet und in 38228 Salzgitter wurde sogar ein Kaffee angeboten. Dennoch war deutlich aufzunehmen, dass man erleichert war, als wir uns verabschiedeten. Die Ehefrau des Firmenverkäufers war über die gesamte Zeit sehr nervös, hatte immer den Eingang im Blick mit der Sorge, dass eine Mitarbeiterin unangemeldet ins Büro käme und sie keine sinnvolle Erklärung für unseren Besuch parat hätte. Wir haben die Beiden erlöst und haben uns auch schnell verabschiedet.

Wir haben dann am Folgetag die beiden Penthäuser besichtigt. Die Wahl war schnell getroffen. Also kurz und knapp die Mietzusage abgegeben und wieder zurück nach Königswinter am Rhein.

 

Unser Einzug in Braunschweig

Der 4. Juni 2021 war dann unser Umzugstag.

Damit könnte ich schon einen ganzen Blog füllen, wir sind nämlich Mieter der Nibelungen-Wohnbau geworden. Das allein ist schon ein Abenteuer für sich, zumindest dann, wenn man als Mieter der größten Penthouse-Wohnung die Nachteile eines „Wohn-Projekts“ ertragen muss.

Die Nibelungen haben sich überlegt ein Gebäude zu beleben, indem ein Teil gewerblich genutzt wird, eine betreute Wohngruppe integriert werden soll, zum Teil sollen sozial Schwache eine neue Heimat finden und dann gibt es noch zwei Penthäuser, die dann jeweils über 2.000 € Miete einbringen müssen.

 

Wir haben inzwischen die Wohnbaugesellschaft

Ni-belungen     umbenannt in      Nie-gelungen

Darüber berichte ich aber später separat.

 

Da unser Firmenverkäufer uns noch nicht einmal die Chance eingeräumt hat, in der leerstehenden Garage auf dem Firmengrundstück die mitgebrachten Büro-Möbel und unsere Akten zu lagern, mussten wir alles in unserem Penthouse unterbringen, um dann – vier Wochen später – einen weiteren Umzug zu realisieren.

Dann endlich – der Tag des Notartermins.

In diesem Termin wurde uns dann die Mit-Inhaberin vorgestellt, die vorab keinerlei Interesse an einem Gespräch gezeigt hatte.

Nach der vierstündigen Beurkundung wurden wir schlicht und einfach stehen gelassen. Die beiden Verkäufer wollten alleine ein Café aufsuchen und machten auch deutlich, dass wir dabei nicht erwünscht waren.

Es hieß nur noch „Wir sehen uns dann am 1. Juli.“

Das war unmißverständlich und deutlich.

 

Unser erster Arbeitstag – man fühlt sich wie zum Ausbildungsbeginn vor vielen Jahren.

Und dann kam der 1. Juli 2020.

Wir waren für 10 Uhr angemeldet, der Firmenverkäufer hatte die Mitarbeiter:innen, die nicht auf Tour waren, zu einer Vorstellungsrunde geladen.

Und nun standen vor vielen tränenreichen Augen, vor ängstlichen Gesichtern mit zum Teil verrutschten Masken und vor einer Wand der Sprachlosigkeit.

In dieser Sekunde wurden mir die Einschränkungen durch Corona nochmals bewußter.

 

Also ein Start, wie man ihn sich nie wünscht.

Die Mitarbeiter:innen, die zum Teil mehr als 20 Jahre für „unseren Pflegedienst“ tätig waren, fühlten sich im wahrsten Sinne VERKAUFT oder besser gesagt „verraten“.

Wir hatten ja zumindest die Monate der gedanklichen Vorbereitung. Die Mitarbeiter:innen hatten gerade mal 48 Stunden vor unserem Erscheinen die Information über den Verkauf erhalten.

 

Der erste und auch zweite Gedanke war  „Das wird nicht einfach.“ und  „Ich will hier weg.“

Auf die Eindrücke und Erlebnisse der ersten Monate gehe ich in meinem nächsten Beitrag näher ein.

 

 

Cornelia Heyer

Ambulante Krankenpflege 24 Stunden GmbH

38114 Braunschweig

Sind Sie Organspender:in oder nicht oder noch nicht ?

Schon seit vielen Jahren werde ich regelmäßig von meiner Krankenversicherung angeschrieben und auf die Notwendigkeit eines Organspende-Ausweises hingewiesen.

Haben Sie diese Entscheidung auch immer zurückgestellt ?   Wollten auch Sie sich nicht mit dem Thema beschäftigen ?

 

Ich finde es immer noch makaber, das ich Organe benennen soll, mit deren Entnahme ich mich einverstanden erkläre und Organe angeben soll, auf die ich nach dem Tod nicht verzichten kann.

Wer kann mir sagen, was kommt nach dem Tod ?

Brauche ich dann noch Organe ?

 

Wie ist es mit den Menschen, die sich für eine Einäscherung entscheiden ?

Dieser Personenkreis könnte am ehesten auf die „Mitnahme“ von Organen verzichten.

 

Für meine Eltern war die Organspende außerhalb jeglichen Denkens.

In meiner Generation treffe ich auf viele Unentschlossene.

 

Neu angeregt wurden meine Überlegungen durch einen Patienten meines ambulanten Pflegedienstes.

Es handelt sich um einen jetzt 57-jährigen Mann, dem vor drei Jahren ein Spenderherz transplantiert wurde.

Ohne diese Spende würde der Mann nicht mehr leben.

 

Im Gespräch über das transplantierte Herz sprechen weder er noch seine Ehefrau über ein Herz, sondern immer nur von „dem Organ“.

Das war für mich schon auffällig. Ich habe auch nicht nachgefragt, ob ihnen der Gedanke an ein gespendetes Herz Probleme bereitet. Aber davon gehe ich aus.

 

Es ist sicherlich einfacher eine Spenderniere anzunehmen als ein Spenderherz.

Das kann nur daran liegen, dass das Herz mit Liebe und Gefühlen verbunden wird, wie kein anderes Organ.

 

 

Ich für mich habe die für meine Generation übliche nicht klar definierte Entscheidung getroffen.

 

Das heißt, ich habe die Entscheidung auf dem Organspendeausweis meinem Mann überlassen.

Wenn ich nicht mehr in der Lage bin, diese Entscheidung zu treffen, weiß er am besten, ob ich noch weiter künstlich am Leben festhalten möchte und ob ich meine Organe behalten oder spenden möchte, um damit anderen jungen Menschen oder möglichen Unfallopfern zu einem lebenswerteren Leben zu verhelfen – so wie der Spender des Herzens meines Kunden.

 

 

 

 

Cornelia Heyer

Ambulante Krankenpflege 24 Stunden GmbH

38114 Braunschweig