Jens Spahn fordert 4.000 Euro brutto für Pflegefachkräfte

Jens Spahn fordert 4.000 Euro Brutto-Lohn für Fachkräfte und einen grundsätzlichen Mindest-Brutto-Lohn von 3.000 Euro

Mit welchem Gehalt ist eine Pflegekraft angemessen bezahlt ?

 

Zu dieser Aussage sollte Herr Spahn den guten alten Taschenrechner nutzen und folgende Rechnung aufstellen :

Der geforderte grundsätzliche Mindestlohn bezieht sich dann sicherlich auf Pflegeassistentinnen ohne Ausbildung.

Dieser Personenkreis - wohl gemerkt ohne Ausbildung - bezieht dann einen Stundenlohn von 17,31 Euro.

Dieser Stundenlohn errechnet sich mit 173,33 Stunden pro Monat (steuerliche Rechnung = 40 Stunden/Woche x 13 Wochen : 3 Quartale) und dem geforderten Mindestlohn.




Als ambulanter Pflegedienst können wir unsere erbrachten Leistungen wie folgt berechnen:

11,34 Euro = Kleine Pflege, ca. 15 Minuten

18,56 Euro = Große Pfleg, ca. 25 Minuten

Die Pflegehelferin schafft pro Stunde maximal 1 kleine und 1 große Pflege, denn die übrige Zeit ist die Fahrzeit vom Firmensitz zum ersten und dann weiter zum zweiten Patienten.

Nehme ich also isoliert diese eine Stunde, können wir gesamt - d. h. incl. Wegepauschale - 37,70 Euro in Rechnung stellen.


Nun die Gegenrechnung zum Gehalt:

Wir gewähren unseren Mitarbeiterinnen 31 Tage Urlaub im Jahr, es bleibt auch nicht aus, dass mindestens 9 Tage Krankheit kalkuliert werden müssen.

Dies erhöht den Stundensatz auf 19,85 Euro / Stunde.

Der Arbeitgeberanteil beträgt 21 %, bezogen auf den Brutto-Stundenlohn. Das entspricht hier in unserem Beispiel genau 4,17 Euro / Stunde.

Jetzt kommt noch ein variabler Kostenanteil dazu, der sich summiert aus notwendigen Innendienst-Mitarbeitern, Steuerberater, Berufsgenossenschaft,

Beitrag in den Ausbildungsfond und nicht zu vergessen die zur Verfügung gestellten PKW = Leasing, Tanken und die vielen vielen Reparaturen.

Es hat uns selbst überrascht, aber für diese Kosten sind weitere 25 % in Ansatz zu bringen.



Daher :

19,85 Euro Stundensatz

  4,17 Euro Arbeitgeberanteil

  4,96 Euro Allgemeinkosten

  2,98 Euro Unvorhergesehenes

31,96 Euro GESAMT



Der Differenzbetrag beträgt dann noch gerade 5,74 Euro.

Nun haben wir aber nicht immer das Wunschprogramm der kleinen und großen Wäsche.

Die Pflege wird sehr häufig, leider zu häufig, mit der Leistung Hauswirtschaft verbunden, die dann wiederum nur mit 24,18 Euro / Stunde vergütet wird.

Wie kann ich aber 31,96 Euro je Stunde bezahlen, wenn ich nur 24,18 Euro je Stunde erstattet bekomme ?

Nach nur 1 Stunde Hauswirtschaft und einer kleinen und einer großen Pflege habe ich NUR 2,12 Euro zugezahlt !

 

Da frage ich Herrn Spahn :

Wie soll das bitte funktionieren ?

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegekraefte/entlohnung.html

 

Mir ist bewußt, dass diese von mir erstellte Schnellberechnung noch an der ein oder anderen Stelle minimal korrigiert werden kann.

Aber dennoch stimmt schlicht und einfach die Kernaussage:

“Ein ambulanter Pflegedienst kann – basierend auf der aktuellen Vergütungsvereinbarung – einer Pflege-Assistentin keine 3.000 Euro Grundgehalt zusagen.”

 

Möglich wird dies, wenn Sie, Herr Spahn, bzw. das Gesundheitsministerium oder die Krankenkassen ernsthaft den Vertretern der ambulanten Pflegedienste

zuhören und sich Gedanken zu der Refinanzierung bzw. der Erstattung der Pflegeleistungen machen.

 

Aktuell ist die Stimme der Heim- und Krankenhausbetreiber deutlich lauter und wird auch gehört.

Liegt es möglicherweise daran, dass Pflegedienste noch verstärkt von Pflegekräften und nicht von Kaufleuten geführt werden ?

 

 

Cornelia Heyer

Ambulante Krankenpflege 24 Stunden GmbH

38114 Braunschweig

 

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