Kauf eines ambulanten Pflegedienstes in Corona-Zeiten – Teil 1

Warum trifft man in Corona-Zeiten die Entscheidung einen ambulanten Pflegedienst zu kaufen ?

TEIL 1

 

Auch in Corona-Zeiten wird geplant und bei uns ist genau in dieser Zeit die Entscheidung gefallen, einen ambulanten Pflegedienst zu kaufen.

Ich persönlich habe mich viele Jahre sozial engagiert und Senioren im Rheinland betreut.

Unweigerlich kommt man in Kontakt zu ambulanten Pflegediensten.

Dabei bin ich immer auf sehr empathische Menschen gestoßen, die aus persönlicher Überzeugung und ganz bewusst einen pflegerischen Beruf ergriffen haben.

Es wurde nur selten gefragt „Was bekomme ich für meine Leistung“, es wurde einfach geholfen und unterstützt.

 

Aber genau diese Einstellung wird einigen Pflegedienstbetreibern auch zum Verhängnis.

Der Geschäftsführer eines Pflegedienstes muss auch kaufmännisch und wirtschaftlich denken und planen.

 

Diesen Rückschluss kann ich aufstellen, da ich als Schuldner- und Insolvenzberaterin mit Abschluss zur

Zwangsverwalterin auch zur Sanierung von Pflegediensten eingesetzt werden musste.

https://www.fortbildung-schuldnerberatung-nrw.de/

 

Diese Erfahrungen waren dann auch die Grundlage für die Entscheidung einen ambulanten Pflegedienst zu übernehmen bzw. zu kaufen.

Soweit der erste Gedanke.

 

Die Leitung eines ambulanten Pflegedienstes muss auch Kaufmann/Kauffrau sein

Die Umsetzung hat aus heutiger Sicht erstaunlich wenig Zeit in Anspruch genommen. Ein Argument für die schnelle Umsetzung war sicherlich unsere standortfreie Suche in Deutschland. Wir haben grundsätzlich keine Region ausgeschlossen.

Im Ergebnis haben sich auf unsere aktiven Werbemaßnahmen gesamt sechs Pflegedienste zum Kauf angeboten.

Wir mussten dann sehr schnell lernen, dass inhabergeführte Pflegedienste sehr diskret verhandeln und verkaufen möchten. Wir kamen uns schon vor wie in einem konspiritativen Zirkel. Alles sehr geheimnisvoll, alles nach mehrseitiger schriftlicher Schweige-Erklärung usw. usw.

 

Ein Betreiber-Paar aus dem Saarland hat sogar als Treffpunkt Wernigerode im Harz vorgeschlagen. Die wollten uns auf gar keinen Fall im Umkreis ihres Firmensitzes treffen.

Auch unsere Verkäufer in Braunschweig waren sehr vorsichtig. Daher fand das erste Treffen an einem Samstag Abend im Februar 2020 im Steigenberger Hotel in Braunschweig statt.

Dieses war dann unser letztes Treffen ohne Maske. Nur wenige Tage später wurde auf allen TV-Kanälen über Corona, die möglichen Folgen, die Ansteckungsgefahren und die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen berichtet.

Der Verkäufer unseres ambulanten Pflegedienstes hat uns schon vor diesem Treffen bestens mit Zahlenmaterial versorgt. Egal, welche Zahlen benötigt wurden, die kamen schon nach wenigen Minuten per Mail. Alles macht einen sehr aufgeräumten und vorbereiteten Eindruck.

 

Jedoch wurden dann folgende Bedingungen aufgestellt :

– Sie kaufen meine Firma.

– Sie bezahlen meine Firma.

– Sie werden vorab nicht eine Mitarbeiterin kennenlernen oder sprechen.

– Die Übergabe muss noch zum 01. Juli 2020 erfolgen.

Da erinnere ich gerade noch an die erste Korrespondenz. Unsere Verkäufer hatten auf unsere Anfrage geantwortet und den Wunsch-Verkaufszeitpunkt mit Sommer 2021 angegeben. Daher hatten wir auch zunächst die weiteren Anbieter kontaktiert. Wir waren an einem Kauf zum Jahresende 2020 interessiert. Dies war aus unserer damaligen Sicht ein ausreichender Zeitrahmen, um einen Kauf incl. Firmenbewertung, Verhandlungen, Verträge und Übernahme zu gestalten. Im persönlichen Gespräch wurde dann zu unserer großen Überraschung der 01.07.2020 als Wunsch-Abgabetermin angegeben.

 

Aber aufgrund der bereits erfolgten Gespräche mit weiteren Pflegedienst-Anbietern konnten uns diese Auflagen auch nicht mehr aus der Ruhe bringen.  “Sind halt etwas seltsam, die Pflegedienst-Betreiber der ersten Stunde” war das Ergebnis unserer Überlegungen. Damit meine ich die Pflegedienste, die mit der Gründung der Pflegeversicherung in 1995 gegründet wurden. Die erste Pflegeeinrichtung wurde bereits 1617 von der heutigen Caritas-Organisation gegründet.

https://www.annakrolicki.de/krankenpflege/krankenpflege-jobs/ambulante-pflegedienste-etwas-geschichte/

 

Wohnhaft in 53639 Königswinter und Kauf eines ambulanten Pflegedienstes in 38114 Braunschweig heißt auch UMZUG !

Wir haben dann nach dem 3-Stunden-Gespräch am Abend bereits am nächsten Morgen die Heimreise über 400 km nach Königswinter angetreten, denn eine Einladung zu einem Folgetermin wurde nicht ausgesprochen.

Nach nur einer Woche haben wir die Kaufzusage erteilt. Natürlich haben wir nochmals versucht, den Abgebenden zu einem Mitarbeitergespräch zu bewegen. Leider ohne Chance. Obwohl wir entsprechendes Eigenkapital nachweisen konnten, blieben die Verkäufer bei ihrer Auflage des „Blindkaufs“.

Daher fiel unser zweiter Besuch auch sehr kurz aus. Im April 2020 erhielten wir eine 1-stündige Audienz beim Steuerberater. Aus Gründen, die sich uns nicht erschlossen, verhielt man sich uns gegenüber sehr verhalten und war auch nicht um uns als mögliche neue Mandanten bemüht.

Daher konnten wir die terminierten Besichtigungen von Mietobjekten starten. Für uns war klar, wir mussten mindestens vier Wochen vor der geplanten Übernahme umgezogen sein.

Aus Königswinter heraus hatte ich viele viele Mietangebote auf den klassischen Seiten, wie immoscout, immwelt etc. geprüft, zunächst alle verworfen, dann nochmals gesichtet und schließlich gesamt sechs Besichtigungstermine in Braunschweig vereinbart.

Mein Mann verweigerte schon den Zutritt sowohl beim ersten als auch beim zweiten Objekt. Somit war klar, die Suche wird nicht so einfach wie ich mir das vorgestellt hatte.

Abends übernahm dann mein Mann die Suche. Im ersten Schritt hob er das von mir vorgegebene Mietpreis-Limit auf.  Dann eröffnete er mir, dass er auf gar keinen Fall einen Bewohner über uns dulden würde. Der bisherige Ärger aus Königswinter reiche ihm. Damit wurde die gesamte Suche sehr viel einfacher, denn es gab zu dem Zeitpunkt nur zwei Penthäuser in Braunschweig, und die wurden von der Nibelungen-Wohnbau angeboten.

Nachmittags hatten wir dann nochmals Audienz bei unseren Firmenverkäufern, d. h. uns wurde ein 10-minütiger Rundgang durchs Büro in 38114 Braunschweig gestattet und in 38228 Salzgitter wurde sogar ein Kaffee angeboten. Dennoch war deutlich aufzunehmen, dass man erleichert war, als wir uns verabschiedeten. Die Ehefrau des Firmenverkäufers war über die gesamte Zeit sehr nervös, hatte immer den Eingang im Blick mit der Sorge, dass eine Mitarbeiterin unangemeldet ins Büro käme und sie keine sinnvolle Erklärung für unseren Besuch parat hätte. Wir haben die Beiden erlöst und haben uns auch schnell verabschiedet.

Wir haben dann am Folgetag die beiden Penthäuser besichtigt. Die Wahl war schnell getroffen. Also kurz und knapp die Mietzusage abgegeben und wieder zurück nach Königswinter am Rhein.

 

Unser Einzug in Braunschweig

Der 4. Juni 2021 war dann unser Umzugstag.

Damit könnte ich schon einen ganzen Blog füllen, wir sind nämlich Mieter der Nibelungen-Wohnbau geworden. Das allein ist schon ein Abenteuer für sich, zumindest dann, wenn man als Mieter der größten Penthouse-Wohnung die Nachteile eines „Wohn-Projekts“ ertragen muss.

Die Nibelungen haben sich überlegt ein Gebäude zu beleben, indem ein Teil gewerblich genutzt wird, eine betreute Wohngruppe integriert werden soll, zum Teil sollen sozial Schwache eine neue Heimat finden und dann gibt es noch zwei Penthäuser, die dann jeweils über 2.000 € Miete einbringen müssen.

 

Wir haben inzwischen die Wohnbaugesellschaft

Ni-belungen     umbenannt in      Nie-gelungen

Darüber berichte ich aber später separat.

 

Da unser Firmenverkäufer uns noch nicht einmal die Chance eingeräumt hat, in der leerstehenden Garage auf dem Firmengrundstück die mitgebrachten Büro-Möbel und unsere Akten zu lagern, mussten wir alles in unserem Penthouse unterbringen, um dann – vier Wochen später – einen weiteren Umzug zu realisieren.

Dann endlich – der Tag des Notartermins.

In diesem Termin wurde uns dann die Mit-Inhaberin vorgestellt, die vorab keinerlei Interesse an einem Gespräch gezeigt hatte.

Nach der vierstündigen Beurkundung wurden wir schlicht und einfach stehen gelassen. Die beiden Verkäufer wollten alleine ein Café aufsuchen und machten auch deutlich, dass wir dabei nicht erwünscht waren.

Es hieß nur noch „Wir sehen uns dann am 1. Juli.“

Das war unmißverständlich und deutlich.

 

Unser erster Arbeitstag – man fühlt sich wie zum Ausbildungsbeginn vor vielen Jahren.

Und dann kam der 1. Juli 2020.

Wir waren für 10 Uhr angemeldet, der Firmenverkäufer hatte die Mitarbeiter:innen, die nicht auf Tour waren, zu einer Vorstellungsrunde geladen.

Und nun standen vor vielen tränenreichen Augen, vor ängstlichen Gesichtern mit zum Teil verrutschten Masken und vor einer Wand der Sprachlosigkeit.

In dieser Sekunde wurden mir die Einschränkungen durch Corona nochmals bewußter.

 

Also ein Start, wie man ihn sich nie wünscht.

Die Mitarbeiter:innen, die zum Teil mehr als 20 Jahre für “unseren Pflegedienst” tätig waren, fühlten sich im wahrsten Sinne VERKAUFT oder besser gesagt “verraten”.

Wir hatten ja zumindest die Monate der gedanklichen Vorbereitung. Die Mitarbeiter:innen hatten gerade mal 48 Stunden vor unserem Erscheinen die Information über den Verkauf erhalten.

 

Der erste und auch zweite Gedanke war  „Das wird nicht einfach.” und  “Ich will hier weg.”

Auf die Eindrücke und Erlebnisse der ersten Monate gehe ich in meinem nächsten Beitrag näher ein.

 

 

Cornelia Heyer

Ambulante Krankenpflege 24 Stunden GmbH

38114 Braunschweig

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